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Menschlicher Einfluss blieb begrenzt

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 02.05.2016 16:08

Das Amazonasgebiet ist mit mehr als 5,5 Millionen Quadratkilometern Fläche das größte Urwaldgebiet der Erde. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gerät der Regenwald zunehmend unter menschlichen Druck. Ökologische Untersuchungen haben jetzt gezeigt, dass sich das Ökosystem keinesfalls leicht von diesen Eingriffen erholen wird. Die südamerikanischen Ureinwohner des Amazonas haben zweifellos einen beträchtlichen Einfluss auf ihre Umwelt gehabt - der aber stark begrenzt war auf ihr unmittelbares Siedlungsgebiet. "Der Einfluss der indigenen Völker entlang der Wasserwege kann nicht bezweifelt werden", resümiert der Biologe Mark Bush, Professor am Florida Institute of Technology (FIT) jahrelange Ökosystemforschung im größten Urwaldgebiet der Erde, "aber ob sie das Gesamtsystem Amazoniens mehr als andere Lebewesen beeinflussten, muss noch nachgewiesen werden."

Fischerboote am peruanischen Teil des Amazonas. (Bild: NSF/Crystal McMichael) Schon einen Tagesmarsch von den Flüssen entfernt haben Bush und seine Kollegen keine Spuren menschlichen Einflusses mehr feststellen können. "Von einer Handvoll archäologischer Funde an den Flussufern auf den menschlichen Einfluss auf das Gesamtsystem zu schließen, wäre eine Verzerrung der Fakten", betont Bushs Kollegin Dolores Piperno vom Amerikanischen Museum für Naturkunde in New York.

Eine Hütte auf einem niedrigen Steilufer über dem Amazonas. (Bild:  NSF/Crystal McMichaelGenau das aber wurde in den vergangenen Jahren gemacht. Forscher konstruierten aus archäologischen Funden das Bild einer stark vom Menschen beeinflussten Parklandschaft schon vor Ankunft der Europäer im 16. und Beginn der industrialisierten Nutzung des Urwaldes im 19. Jahrhundert. Bush, Piperno und andere Wissenschaftler aus Brasilien und den USA hatten in jahrelanger Arbeit 247 Bodenbohrkerne aus dem zentralen und westlichen Teil des Amazonasgebiets gezogen. Sie hatten sich extra Stellen ausgesucht, die bekanntermaßen schon seit langem von Menschen besucht werden, und die Proben auf Spuren von Buschfeuern, Vegetation und menschliche Einflüsse hin untersucht.

Der Amazonas mit den größten seiner Nebenflüsse. (Bild: Wikimedia Commons)An den ufernahen Stellen, die immer wieder und dann auch dauerhaft besiedelt wurden, ließ sich unverkennbar menschlicher Einfluss feststellen, der auch stark in das ursprüngliche Ökosystem eingriff. Allerdings waren die Menschengruppen, die vor der Erschließung des Amazonas in den jüngsten Jahrhunderten dort gelebt haben, nur in Ausnahmefällen größer. Meistens handelte es sich um kleine, nicht sesshafte Gruppen, die regelmäßig bestimmte Plätze aufsuchten, dort aber nicht lange blieben. Sogar an den Orten, die man früher als größere Siedlungen angesehen hatte, blieb die Populationsdichte bescheiden. "Die unglaubliche Biodiversität des Amazonas ist daher nicht als Nebenprodukt einer präkolumbianischen menschlichen Nutzung zu sehen", betont Crystal McMichael, Assistant Professor für Paläoökologie an der Universität Amsterdam, die bis vor kurzem im FIT tätig war. Große Teile des mit rund 5,5 Millionen Quadratkilometer die EU weit an Größe übertreffenden Regenwaldgebiets hatten nie menschliche Einwirkung kennengelernt, bis Bergbauunternehmen, Plantagenbesitzer und der staatliche Straßenbau auftauchten.

Blick aus einem der Forschungsboote über die gesamte Breite des Amazonasstroms. (Bild:  NSF/Crystal McMichael)Das hat Auswirkungen auf den künftigen Umgang mit dem weltgrößten Urwald. "Wir können nicht davon ausgehen, dass das Regenwaldökosystem sich schnell von menschlichen Eingriffen erholt", warnt Mark Bush. Die großflächigen Abholzungen würden aller Wahrscheinlichkeit nach auch großflächige und langandauernde Veränderungen nach sich ziehen. Der US-Biologe befürchtet, dass die Amazonas-Anrainerstaaten den Schutz des Urwaldes aufweichen könnten und damit eine fatale Verschlechterung in Gang setzen.

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