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Mögliche Vorboten einer Bullenhitze

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 11.09.2007 19:34

In Deutschland herrscht Dürre - und das Anfang Mai. Seit Wochen hat es in weiten Landesteilen nicht mehr geregnet, und der Boden ist entsprechend ausgedörrt. In fast allen Wäldern ist die Brandgefahr extrem angestiegen und die Bauern sprechen schon von katastrophalen Ernteausfällen. Für die kommenden Tage ist zwar Niederschlag angesagt, aber ob der lange genug fällt, um das inzwischen gigantische Wasserdefizit auszugleichen, erscheint fraglich. Rund 60 Millimeter Regen oder 60 Liter pro Quadratmeter fehlten, erklären Experten. Falls der ersehnte lang anhaltende Landregen weiterhin ausbleibt, könnten wir einen brandgefährlichen und vor allem heißen Sommer vor uns haben. Denn Forscher aus der Schweiz haben einen Zusammenhang zwischen ausgedörrten Böden und Hitzewellen erkannt.

Im Jahr 2003 gab es den bisher heißesten Sommer mit den schlimmsten Folgen für Mensch, Tier und Pflanzen. 35.000 Hitzetote soll es europaweit gegeben haben. Damals warnten Klimaforscher, dass es vergleichbare Sommer künftig öfter geben könne. Und mit der Dürre im April könnte Mitteleuropa in diesem Jahr den ersten Schritt hin zu einem neuen "Jahrhundertsommer" bereits hinter sich haben. "Vereinfacht gesagt, macht die Bodenfeuchtigkeit den Unterschied zwischen einem warmen Sommer und einem mit rekordverdächtigen Hitzewellen", erklärt Erich Fischer, Klimaforscher an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Fischer und seine Kollegen aus der Arbeitsgruppe des renommierten Klimaforscher Christoph Schär haben vier heiße europäische Sommer der vergangenen 50 Jahre untersucht und bei allen ähnliche Muster gefunden. "Im Frühling zuvor hatte es eine Niederschlagsarmut gegeben, und das hat zu einer Austrocknung des Bodens geführt hat, was dann die Hitzewelle verstärkt hat", so Fischer.

Dem Zusammenhang sind die Schweizer mit Computersimulationen auf die Spur gekommen. Sie ließen dieselben Klimamodelle einmal mit höherer einmal mit sehr niedriger Bodenfeuchtigkeit laufen. Fischer: "Wenn wir den Boden feucht hielten, stiegen die Temperaturen viel weniger hoch und auch die Länge der Hitzewelle war viel weniger ausgeprägt." Um bis zu vier Grad niedriger waren die Spitzentemperaturen, wenn der Boden so feucht war, wie er es nach einem regenreichen Frühling gewesen wäre. Die Zahl der wirklich heißen Sommertage sank durch eine solche Bodenfeuchtigkeit ebenfalls beträchtlich. "Beides ist von äußerster Wichtigkeit, denn die Höhe der Temperatur und die Dauer dieser Extremperioden bestimmen die Folgen für Menschen und Ökosysteme entscheidend", so Fischer. Der Grund: Das verdunstende Wasser kühlt die Luft und senkt so die Temperaturen. Fischer: "Dass durch die Verdunstung viel Energie verloren geht und dadurch viel weniger für die Erwärmung des Bodens vorhanden ist, macht sicher 80, 90 Prozent aus."

So schlimm wie in der Sahelzone ist es selbst in den Dürregebieten Europas noch nicht. Foto: UNCCD

Natürlich ist der trockene Boden nur eine Voraussetzung. Denn hinzu muss noch eine stabile Hochdrucklage während des Sommers kommen. Aus einem verregneten Sommer macht ein im Frühjahr ausgetrockneter Boden keine Hitzewelle - umgekehrt wird aber offenbar nur durch ein trockenes Frühjahr aus einem Bilderbuchsommer eine unerträgliche Bullenhitze. Ob daher 2007 erneut ein "Jahrhundertsommer" wird, ist noch nicht sicher, aber der erste Schritt ist getan. Regnet es in den kommenden Wochen nicht oder zu wenig, gehen Europas Böden ausgetrocknet in den Sommer. Und wenn der dann bilderbuchmäßig wird, kann es schnell ebenso unangenehm werden wie 2003.

Abgezeichnet hatte sich das zu Jahresanfang allerdings nicht. "Bis März waren die Verhältnisse durchschnittlich bis etwas zu feucht über Deutschland und der Schweiz", berichtet Fischer. Diese Feuchtigkeit ist aber im April schnell verdunstet, weil der Boden aufgrund der Hitze austrocknete und von oben kein Nachschub geliefert wurde. Auch die Pflanzen trieben viel früher aus als sonst und haben über ihre Blätter zusätzliches Wasser verdunstet. "Deshalb ist der Oberboden in ganz Mitteleuropa Ende April recht trocken", so Fischer. Alles hänge jetzt davon ab, wie viel Niederschlag im Mai fallen werde. Reichlich Mairegen könnte den Hitzepuffer im Boden wieder auffüllen.