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Nach 37 Jahren gefunden

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 22.06.2009 08:49

Wasser auf dem Mond gehört zu den meistgesuchten Dingen im All – und das nicht erst seit die Menschen wieder zurück zum Erdtrabanten fliegen wollen. Bislang hat keine Untersuchung die Existenz von Wasser bestätigt, selbst der spektakuläre Kamikaze-Einsatz der US-Sonde Lunar Prospector nicht. Jetzt allerdings ist das erste Mondwasser gefunden worden, und zwar auf der Erde. Forscher haben in winzigen Vulkanglasperlen, die die amerikanische Apollo-XV-Mission vor 37 Jahren vom Mond zurückbrachte, Spuren von Wasser gefunden. Sie berichten in der aktuellen „Nature“ über ihren Fund.

Vulkanische Glasperlen„Unser Fund sagt uns etwas über den Ursprung des Mondes und, dass dort zu sehr frühen Zeiten Wasser vorhanden war“, erklärt Hauptautor Alberto Saal, Geologieprofessor an der Brown Universität in Providence, Rhode Island. Denn die Glasperlen sind etwa drei Milliarden Jahre alt und stammen aus einem Vulkanausbruch, der Material tief aus dem Mondmantel an die Oberfläche transportiert hat. Und zumindest zu dieser Zeit hatte der Mondmantel offenbar einen vergleichbar hohen Wasseranteil wie der der Erde. Das ist überraschend, denn bisher dachten die Wissenschaftler, dass der Mond aufgrund seiner gewaltsamen Entstehungsgeschichte bis zum Kern hinab wasserlos sei. Unser Trabant ist das Produkt eines planetaren Zusammenstoßes zwischen der Erde und einem etwa marsgroßen Schwesterplaneten, der sich vor über 4,5 Milliarden Jahren ereignete. Wegen der gewaltigen Energie dieser Kollision vermutete man, dass der Mond von Anfang an komplett ohne flüchtige Substanzen wie eben Wasser auskommen musste.

Dieses Bild von der Mondentstehung müssen wir wohl revidieren. Denn die vulkanischen Glasperlen, die die Apollo-XV-Mission vor 37 Jahren zurück auf die Erde brachte, zeigen eben, dass das Magma, in dem sie entstanden, bis zu 750 Teile Wasser pro Million (ppm) besaß. Die Astronauten der 15. Apollo-Mission sammelten sie am Fuß des 4500 Meter hohen Mons Hadley zusammen anderem basaltischen Material ein. Bisherige Untersuchungen hatten kein Wasser in den Perlen gefunden, doch dank einer verbesserten Auflösung der Massenspektrometer konnten Saal und seine Kollegen jetzt doch Wasser finden.

 Mons Hadley„Dass der Mondmantel soviel Wasser wie der obere Erdmantel gehabt haben könnte, ist ein gewaltiger Fortschritt“, kommentiert Co-Autor Eric Hauri von der Carnegie Institution in Washington, D.C., „aber eine noch faszinierendere Frage ist doch, wo das ganze Wasser hin ist?“ Denn von den geschätzten 750 ppm Wasser fanden die Forscher in den Perlen nur noch einen Bruchteil. Rund 95 Prozent muss sich bei dem Ausbruch rapide verflüchtigt haben. Das meiste davon wird wohl im Weltall gelandet sein, doch die Wissenschaftler fragen sich, ob nicht auch ein Teil des Mondwassers an dessen Oberfläche kondensiert sein könnte, etwa an den sonnenfernen Hängen der Einschlagskrater an den beiden Polen. Dort vermuten Wissenschaftler schon seit 1960 Wassereis. Nachgewiesen werden konnte es freilich noch nie.

Neben dem wissenschaftlichen Interesse verfolgt die Suche nach dem Mondwasser einen ganz praktischen Zweck. Wenn Menschen irgendwann in näherer oder fernerer Zukunft eine Basis auf dem Mond betreiben wollen, brauchen sie vor allem Energie und Wasser. Wasser aber ist schwer, je mehr man davon auf dem Mond findet, desto weniger belastet es das Raumschiff. Wie viel Wasser heute noch im Mondinneren schlummert, darüber möchte Alberto Saal allerdings lieber nicht spekulieren.

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