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Neuer Stützpunkt für deutsche Antarktisforschung

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 20.11.2007 13:18

Deutschland wird im Internationalen Polarjahr seine wichtigste Station in der Antarktis erneuern. Der Ersatz für die bejahrte Neumayer-II-Station wird ein ganz anderes Konzept verfolgen und zu den modernsten Stationen des Kontinents gehören. Mehr als 26 Millionen Euro wird der neue Stützpunkt kosten.

In der Antarktis beginnt der Winter. Es herrscht Zwielicht auf dem Ekström-Eisschelf. Rings um die beiden übermannshohen Würfel, die den Standort der deutschen Antarktisstation Neumayer II markieren, ist es leer geworden. Die quietschroten Zelte des antarktischen Sommers sind verschwunden, ebenso die runden Iglus in derselben Signalfarbe, die deshalb Tomaten heißen. Sie warten gut im Depot verstaut auf die nächste Saison. Tief unterhalb der Eisoberfläche richten sich die zehn Bewohner in der Station ein. Sie werden den Winter über ausharren, die Instrumente und Geräte betreuen und die Messungen fortführen, die hier rund ums Jahr laufen.

Es wird die voraussichtlich vorletzte Überwinterung in den zwei Röhren tief unter dem Eis sein. Die zwölf Jahre alte deutsche Station Neumayer II auf dem Ekström-Schelf liegt inzwischen zwölf Meter unter der Oberfläche, nur die Einstiegstürme sind noch zu sehen. 80 Zentimeter Schnee fällt durchschnittlich jedes Jahr an der Küste von Dronning-Maud-Land, dem atlantischen Teil der Antarktis. In den Skigebieten der Alpen würde man vorsichtshalber die Schneekanonen auspacken, um der weißen Pracht nachzuhelfen. Doch in der Antarktis bleibt der Schnee liegen und türmt sich Jahr um Jahr immer höher auf. Für das gute Dutzend permanenter Forschungsstationen in diesem Teil des Polarkontinents ist das ein ziemliches Problem. Sie versinken langsam im Schnee.

Von der deutschen Antarktisstation Neumayer-II ist nur wenig über der Eisoberfläche zu sehen. Foto: AWI

Schon lange ist absehbar, dass die Station dem Druck der Schneemassen nachgeben wird, deshalb wird während des Internationalen Polarjahrs die Nachfolgestation in zehn Kilometern Entfernung errichtet. Rund 26 Millionen Euro soll die neue Station nach derzeitigem Plan kosten, auf weitere 2,5 Millionen wird der Abbau der alten Station veranschlagt. Ob man angesichts der Preissteigerungen bei Treibstoff und Rohmaterial damit hinkommt, wird sich zeigen. Ohnehin ist Bauen in der Antarktis ein Geschäft, bei dem man sich auf Überraschungen einstellen muss. Die neue Station wird der Ausgangspunkt für das umfangreiche deutsche Forschungsprogramm sein und darüber hinaus eine wichtige Rolle im internationalen Logistiknetz der Antarktisforschung spielen.

Konstruktion auf dem jüngsten Stand

Neumayer III wird aber auch in Sachen Konstruktionstechnik Maßstäbe setzen. Sie steht anders als ihre Vorgänger auf Stelzen. Und diese Stelzen sind, anders als bei vergleichbaren Stationen, ausfahrbar. "Die Station wird besser mit dem Schneefall klarkommen, daher rechnen wir mit einer wesentlich längeren Betriebszeit von 25 Jahren", erklärt AWI-Logistikchef Hartwig Gernandt. Erstmals werden alle Arbeits- und Lagerräume unter einem Dach vereint sein. Ob man auch für die Teilnehmer der antarktischen Expeditionen genügend Raum haben wird, muss sich allerdings erst noch herausstellen. Die rücken im antarktischen Sommer manchmal mit 40 Personen und mehr an. Unter Umständen müssen einige von ihnen doch wieder in den "Tomaten" genannten roten Iglus auf der Eisoberfläche übernachten.

Bis Oktober werden jetzt die Module, aus denen die Station vor Ort zusammengesetzt wird, produziert. Dies geschieht in Bremerhaven. Im Herbst werden die Bestandteile dann auf einen eisgängigen Frachter verladen und an den Südpol transportiert, wo sie dann im kommenden Polarsommer zusammengesetzt werden. Gernandt hofft, dass der Rohbau bereits bei Anbruch des nächsten antarktischen Winters steht. Der Innenausbau soll dann im Sommer 2008/9 erfolgen, so dass die Station pünktlich im Internationalen Polarjahr in Betrieb genommen werden kann.