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Ozeane mit Thermostat

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 22.06.2009 11:29

Die ersten Opfer des Klimawandels leben in den Tropen. Es sind allerdings nicht die Bewohner von Inselstaaten wie den Malediven, zumindest nicht diejenigen, die diese Korallenatolle oberhalb des Wassers bewohnen. Lange bevor diese Inselstaaten im Ozean versinken, werden die Korallenriffe, die sie überhaupt erst entstehen ließen, den Hitzetod gestorben sein. Betroffen sind Riffe vom Golf von Mexiko bis zum Großen Barriereriff vor der Nordostküste Australiens.

Eine Gruppe allerdings scheint einen Schutzengel zu haben. Forscher aus den USA und aus Australien berichten in den „Geophysical Research Letters“ über Anzeichen dafür, dass in den Ozeanen so etwas wie ein natürlicher Thermostat existiert, der die Erwärmung des Wassers nur bis zu einer bestimmten Schwelle erlaubt. „Riffe, die heute schon in sehr warmem Wasser leben, dürften vor der Klimaerwärmung besser geschützt sein, als diejenigen in den kühleren Zonen“, erklärt Teamchefin Joan Kleypas vom Nationalen Zentrum für Atmosphärenforschung der USA in Boulder, Colorado.  Das gilt vor allem für Riffe im so genannten Westpazifischen Warmwassergebiet, das von der Küste Papua-Neuguineas bis nach Samoa und Tuvalu reicht.

Korallenriff, tropisch, klein

Korallenriffe gehören zu den vielfältigsten Ökosystemen der Erde. Foto: NOAA

Die Korallen werden vom Klima gleich mehrfach in die Zange genommen: der steigende Kohlendioxidgehalt lässt die Ozeane versauern und löst die Kalkskelette auf, in denen die Polypen hausen. Schneller jedoch wird ihnen die steigende Wassertemperatur zu schaffen machen. Korallen gedeihen nur in einem sehr schmalen Temperaturfenster, die meisten bevorzugen kuschelige 25 bis 29 Grad. Steigt das Thermometer höher, sterben die Polypen und die Korallenstöcke bleichen aus. Für die mittlere Zukunft prophezeien die Klimamodelle, die unter anderem vom UN-Klimaexpertengremium IPCC benutzt werden, dass diese Werte immer öfter überschritten werden. Andauernde Massensterben unter Korallenpolypen wären die Folge.

Im Westpazifischen Warmwassergebiet allerdings sind die Korallen schon an die hohen Temperaturen gewöhnt, und offenbar müssen sie sich nicht mehr auf große Steigerungen gefasst machen. Die Berechnungen, die die Forschergruppe von Kleypas mit Hilfe von Messwerten der vergangenen 50 Jahre durchführte, zeigen dass bei einer Grenze von 31 Grad Wassertemperaturen erst einmal Schluss ist. „Das ist eine der seltenen guten Nachrichten für diese wichtigen Ökosysteme“, so Kleypas.

Warum die Wassertemperatur nicht über die 31 Grad steigt, ist noch nicht endgültig klar. Als Thermostat kommen mehrere Mechanismen, auch in Kombination, in Frage. So verdunstet aus einem wärmeren Ozean mehr Wasser, das in der Atmosphäre Wolken bildet und so die Wasseroberfläche gegen die einfallenden Sonnenstrahlen abschirmt. Auch können durch die steigenden Wassertemperaturen die Winde an Stärke zunehmen und die Hitze abführen, ebenso wie die Ozeanströmungen selbst angekurbelt werden könnten.

Getrübt wird die Freude allerdings dadurch, dass keineswegs sicher ist, dass der Thermostat, der in den vergangenen 50 Jahren so zuverlässig funktionierte, auch bei einem drastisch steigenden Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre wirkt. Möglicherweise verschiebt sich der Grenzwert nach oben, so dass auch die hitzegestählten Korallenriffe im Westpazifik ins Schwitzen geraten. Und selbst wenn die Temperatursteigerungen ihnen nichts ausmacht, die Versauerung der Ozeane wird die Riffe garantiert treffen. Korallen werden es unter den Bedingungen des menschengemachten Klimawandels schwer haben.

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