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Rauch mit Fernwirkung

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 28.06.2010 14:58

Die Brandrodungen, mit denen auf den indonesischen Inseln Platz für weitere Plantagen geschaffen wird, produzieren jedes Jahr mehr oder weniger große Rauch- und Aschewolken. Beeinflusst wird die Intensität dieser Wolken durch das Klimaphänomen El Nino. Doch die Wolken selbst haben ihrerseits auch lokal Auswirkungen auf die Stärke von El Nino.

Waldbrände auf Indonesien, September 1997Der pazifische Raum befindet sich gerade auf dem Weg heraus aus einer El Nino-Phase. Die jüngste Version der nach dem Christkind benannten Klimaanomalie fiel relativ stark aus und brachte für Südostasien und Ozeanien ausgedehnte Trockenheit. Das wirkte sich auch auf die Rauchwolken aus, die in jedem Herbst von zahlreichen Waldbränden auf Sumatra und Borneo aufsteigen. Obwohl illegal ist Brandrodung auf den urwaldreichen indonesischen Inseln weiterhin das Mittel der Wahl, um Dschungel in Kautschuk oder Ölpalmplantagen umzuwandeln. In den trockenen El Nino-Jahren sind die Feuer immer besonders ausgeprägt und können weite Teile Südostasiens peinigen. Im Herbst 2009 blieben die Auswirkungen der Rauch- und Aschewolken zwar weitgehend auf Indonesien beschränkt. Dort allerdings mussten Flughäfen zeitweise schließen, so dicht waren Dunst und Rauchschwaden. 


Dass Trockenheit, wie sie das El Nino-Phänomen mit sich bringt, die Intensität von Waldbränden fördert, muss nicht erklärt werden. "Wir haben allerdings entdeckt, dass die Brände die Regenfälle noch weiter dezimierten, so dass es im Grunde eine positive Rückkoppelung gibt", erklärt Mike Tosca, Klimaforscher an der Universität von Kalifornien in Irvine. Die Gruppe, zu der auch Forscher der Universität von Michigan, des Nationalen Atmosphärenforschungszentrums in Boulder und des Pacific Northwest National Laboratory in Richland gehören, hatte mit den Klimadaten der vergangenen 13 Jahren ein Klimamodell gespeist, "und der Rauch führte in unserem Klimamodell zu einem um zehn Prozent verringerten Niederschlag", so Tosca, "und das bei ohnehin schon niedrigem Niveau". Dieser Effekt wurde über dem größten Teil von Indonesien festgestellt, "vor allem", so Tosca, "über der Javasee und den Inseln, bis hin nach Singapur".


El Niño Juli 2009Ein komplexer Mechanismus führt zu der sich selbst verstärkenden Spirale. Die Schicht aus Rauch und Rußpartikeln schattet die Erdoberfläche ab und reduziert dadurch die Oberflächentemperaturen an Land und auf See. Dadurch verringern sich die Temperaturunterschiede in der Luftsäule und die Konvektion wird schwächer, die feuchte Luft von der Oberflächennähe nach oben transportiert. Weniger Feuchtigkeit im Aufwind bedeutet aber auch weniger Regen, der aus höheren Sphären zu Boden fallen kann. Welche Auswirkungen die Partikel der Wolke auf Zahl und Größe der Regentropfen haben, können die Forscher allerdings nicht sagen. "Unsere Studie hat sich nur auf die Strahlungsbilanz bezogen", so Mike Tosca, "aber die größere Zahl an Kondensationskeimen kann sich theoretisch ebenso positiv wie negativ auf den Niederschlag auswirken."


Dass Waldbrände nicht nur durch Klimaänderungen beeinflusst werden, sondern ihrerseits auch das Wetter zumindest lokal oder regional beeinflussen, hat sich auch schon in anderen Weltgegenden gezeigt. So wurde die Wolkenbedeckung über dem Amazonasbecken im Herbst 2002 um rund die Hälfte reduziert, nachdem ausgedehnte Brände eine große Asche- und Rauchwolke produziert hatten.
Als nächstes wollen die Forscher der UCI jetzt untersuchen, ob sich die indonesische Brandwolke vielleicht auch auf die Intensität des El Nino selbst in Südostasien auswirkt. "Dafür müssen wir Atmosphärenmodelle laufen lassen, die mit einem kompletten Ozeanmodell gekoppelt sind", erklärt Mike Tosca. Denn El Nino ist ein Klimaphänomen, das durch ungewöhnlich hohe Meerwassertemperaturen im Ostpazifik ausgelöst wird. Ob sich die Rauchwolke auch auf dieses viele Tausend Kilometer entfernte Gebiet auswirkt, bleibt abzuwarten.

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