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Rohstoffträume im Weltraum

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 30.01.2013 13:03

Glühwürmchen und Libellen werden bald die irdische Lufthülle verlassen und sich in den Weltraum aufmachen - und mit ihnen wird die Wirtschaft ins All aufbrechen und den derzeit ausschließlich staatlichen Akteuren heftig Konkurrenz machen. So versprechen es zumindest zwei Unternehmen von der US-Westküste, die kurz hintereinander mit Asteroidenbergbau-Missionen an die Öffentlichkeit getreten sind.

Kleine, preiswerte Satelliten sollen nach rohstoffreichen Asteroiden suchen. (Bild: Deep Space Industries)Sowohl Planetary Resources aus Seattle als auch Deep Space Industries aus Santa Monica wollen die geschätzt 9000 Asteroiden, die in Erdnähe herumschwirren, als Quelle für so begehrte Rohstoffe wie Platinmetalle, Wasserstoff oder Sauerstoff nutzen. "Asteroiden sind die Rohstoffhoffnung des 21. Jahrhunderts", sagte Mark Sonter, einer der DSI-Direktoren, als das Unternehmen in der südkalifornischen Stadt seine Pläne vorstellte.

Erntemaschine im All, noch allerdings eine Vision. (Bild: Deep Space Industries)Eine Flotte von Kleinsatelliten, die Glühwürmchen, sollen nach DSI-Plänen die Asteroiden in Erdnähe erkunden und so viel versprechende Kandidaten für Landemissionen ermitteln. Diese Missionen hat das Unternehmen Libellen getauft, sie sollen anschließend Materialproben zur Erde zurückbringen. In einem dritten Schritt sollen dann so genannte Harvester die reichsten Asteroidenvorkommen ausbeuten. Allerdings werden die meisten Rohstoffe im All verarbeitet werden, nur die zurzeit wirklich extrem teuren Platinmetalle sollen auf die Erdoberfläche gebracht werden. DSI plant statt dessen so etwas wie eine Tankstelle im All, an der interplanetare Missionen zu Mars, Mond oder gar darüber hinaus, Treib- und Sauerstoff aufnehmen, der zuvor aus dem Asteroiden gewonnen wurden. Massenmetalle, die man ebenfalls gewinnen will, sollen in einer Weltraumfabrik zu Ersatzteilen für die Raumfahrzeuge gemacht werden. Die Firma hat nach eigenen Angaben einen 3D-Drucker zum Patent angemeldet, der das können soll.

Die japanische Sonde Hayabusa war das erste irdische Raumfahrzeug, das Asteroidenmaterial zurück zur Erde brachte. (Bild: Wikipedia/JGarry)Die Pläne sind ungemein ehrgeizig und auffällig bescheiden gleichermaßen. Ehrgeizig, weil das Unternehmen bereits 2015 mit der ersten Flotte von Glühwürmchen auf die Suche nach viel versprechenden Asteroiden gehen will, 2016 sollen schon die Libellen folgen. Bescheiden, weil für die Glühwürmchen nur 13 Millionen Dollar veranschlagt werden, die bis 2014 bei Investoren eingesammelt werden sollen. Was die Libellen kosten sollen, war nicht zu erfahren, aber jede von ihnen soll 20 bis 45 Kilogramm Probenmaterial zur Erde zurückbringen. Zum Vergleich: Die japanische Raumsonde Hayabusa brachte 2010 als erste irdische Mission überhaupt Material eines Asteroiden zur Erde. Nach Angaben der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa waren es "winzige Partikel" des Asteroiden Itokawa, und das für Gesamtmissionskosten von rund 140 Millionen Dollar. Eine Nasa-Mission, die 2023 höchstens zwei Kilogramm Asteroidenmaterial zur Erde bringen soll, wird schon jetzt mit rund einer Milliarde Dollar kalkuliert.

OsirisRex wird die Nasa-Mission genannt, die 2023 bis zu zwei Kilogramm Asteroidenmaterial bergen soll. (Bild: Nasa)Planetary Resources plant einen ähnlichen Ansatz und will schon 2014 mit einem ersten Asteroidensucher im All sein. Das Unternehmen hat nach derzeitigem Stand die potenteren Geldgeber hinter sich, etwa die Google-Größen Larry Page und Eric Schmidt. DSI dagegen sucht noch nach Investoren, die in diesem Jahr drei, 2014 zehn Millionen Dollar geben sollen. Ob beide Unternehmen jedoch genügend Mittel für Bergbauaktivitäten in großem Maßstab haben, bleibt abzuwarten. Eine Studie des Keck Instituts für Weltraumstudien am renommierten California Institute of Technology schätzte im vergangenen Jahr, dass es etwa 2,6 Milliarden Dollar kosten würde, einen 500-Tonnen Asteroiden einzufangen, zum Mond zu lotsen und dort auszubeuten. Den Mond hatten die Wissenschaftler deshalb genommen, weil ein 500-Tonnen-Asteroid in Erdnähe ein zu großes Risiko bedeutet hätte. Außer Kontrolle geraten könnte der Himmelskörper auf die Erdoberfläche stürzen und dort gigantische Verheerungen verursachen.

Künstlerische Vorstellung einer Asteroiden-Brennstofftankstelle im All. (Bild: Deep Space Industries)Das Wirtschaftsmagazin "Economist" zieht daher grundsätzlich die Wirtschaftlichkeit des Asteroidenbergbaus in Zweifel. Die Platinmetalle seien teuer, weil sie selten seien. Die Weltförderung von Platin etwa betrug im vergangenen Jahr knapp 200 Tonnen. Eine Verdoppelung der Jahresförderung durch Asteroidenvorkommen würde die Platinpreise derart in den Keller schicken, so der "Economist", dass das Geschäftsmodell des Weltraumbergbaus völlig untergraben wäre. Die Idee einer Versorgungsstation für interplanetare Missionen in Erdnähe ist gleichfalls kein kleines Risiko, denn sie hängt davon ab, dass es entsprechend viele von diesen Missionen geben wird. In Zeiten von Budgetkrisen in allen westlichen Weltraumnationen ist eine solche Annahme aber keine gute Grundlage für aussichtsreiche Geschäfte. Gut möglich, dass es dem Asteroidenbergbau im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts genauso geht wie den Vorläuferprojekten zur Jahrtausendwende. Deren Träume platzten einer nach dem anderen und die Firmen wurden aufgelöst.