Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Wissen Salzwasser auf dem Vormarsch

Salzwasser auf dem Vormarsch

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.11.2015 10:17

Immer mehr Menschen bewohnen die Küstengebiete der Erde. Nach UN-Angaben sind es inzwischen rund 44 Prozent der Weltbevölkerung. In vielen dieser Regionen schlagen die Hydrologen Alarm, weil Salzwasser in die Trinkwasserspeicher eindringt und sie ruiniert. In so unterschiedlichen Regionen wie Pakistan und Florida oder New Jersey, Zypern oder rings um die Bohaisee im Nordosten Chinas wird die Versalzung der Grundwasseraquifere zu einem Problem. Auf der Jahrestagung der Geologischen Gesellschaft Amerikas in Baltimore stellten Hydrologen einen neuen Brennpunkt vor: Louisiana.

Mit dieser Salzwasserbarriere am Grand Lake wird das Eindringen von Salzwasser in Oberflächengewässer verhindert. (Foto: US DoD)Die US-Golfküste hat vor allem ein Konsumproblem. "Wir hier im Südwesten der USA haben reiche Niederschläge und mehr als genug Flüsse, Bäche und Seen", sagt David Borrok von der Universität von Louisiana in Lafayette, "aber entnehmen wir vor allem in den Küstenregionen zu viel Grundwasser. Wir müssen diese Vorräte nachhaltiger nutzen." Borrok erforscht die Situation des Chicot-Aquifers, eines Grundwasserleiters größer als Hessen, der an der Grenze zwischen Texas und Louisiana liegt. Das Gebiet ist ein bedeutender Agrarstandort, wo man sich auf den Reisanbau und die Zucht von Süßwassermuscheln spezialisiert hat.

Für beide Kulturen wird bis in die Gegenwart hinein bedenkenlos der Grundwasserleiter geplündert. "Die Differenz zur Grundwasserneubildung beträgt mehr als eine Million Kubikmeter Wasser pro Tag", so Borrok. Die langjährige Übernutzung hat Folgen: Das Land senkt sich und salziges Wasser vom Golf von Mexiko dringt immer weiter nach Norden vor. Inzwischen liegt die Südgrenze des Süßwasserreservoirs bereits hinter der Küstenlinie, und das hat Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung der am Meer gelegenen Städte. "Brunnen, die bislang Süßwasser gefördert haben, versalzen immer wieder", so Borrok, "und zwar manchmal unerwartet und ohne große Vorwarnung."

Oberirdische Bewässerungskanäle helfen im Süden der USA bei der Verteilung des Regenwassers. (Foto: US DoA)Was Borrok für den Chicot-Aquifer diagnostiziert, lässt sich ohne große Umschweife auf alle Grundwasservorkommen der US-Golfküste übertragen. Drakonische Sparmaßnahmen wie im dürregeplagten Kalifornien seien zwischen Galveston im Westen und Baton Rouge im Osten jedoch nicht nötig, so Borrok, ein besseres Management der Oberflächengewässer würde ausreichen. Derzeit wird an vielen Orten überschüssiges Regenwasser ins Meer abgeleitet, um Überschwemmungen zu vermeiden. "Dieses überschüssige Wasser könnten wir stattdessen über Kanäle zu den landwirtschaftlichen und industriellen Verbrauchern bringen." Ein Teil könnte sogar zur Aquifer-Auffrischung in die wasserführenden Schichten gepumpt werden. "Dadurch steigt der Druck des Süßwassers im Aquifer und es drückt das Salzwasser zurück in Richtung Meer", so Borrok.

Anders als im Westen der USA steht der Süden noch nicht unter Druck. Die Veränderungen im Chicot-Aquifer seien noch nicht unumkehrbar, so Borrok. Folgt auf ein trockenes Jahr ein regenreiches, verschiebt sich die Süßwassergrenze wieder Richtung Meer. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Grundwasserleiter durch die menschliche Übernutzung derart geschwächt werden, dass sie längerdauernde Dürreperioden nicht mehr ohne größere Veränderungen wegstecken. Der Hydrologe mahnt daher umgehende Schutzmaßnahmen an, bevor die Grundwasserleiter dauerhaft Schaden nehmen.