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Schwimmende Dreckschleudern

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 19.06.2009 08:47

Die Schifffahrt ist das Rückgrat des internationalen Handels, denn rund 90 Prozent der Güter schwimmt über die Weltmeere von Produzent zu Konsument. Doch schon jetzt hat das Schiff in den meisten Küstengebieten das Auto als Umweltsünder Nummer eins abgelöst, an besonders stark benutzten Knotenpunkten beträgt sein Anteil an der Umweltverschmutzung bis zu 90 Prozent.

SchiffInsgesamt emittiert einer aktuellen US-Studie zufolge die globale Schifffahrt 900.000 Tonnen Schwebstoffe - das ist ungefähr halb soviel wie der gesamte Straßenverkehr. Hinzu kommen noch rund 30 Prozent aller Stickoxidemissionen und ein vergleichsweise bescheidener Anteil von drei Prozent am Kohlendioxidausstoß. „Da sich 70 Prozent der Schifffahrt in maximal 500 Kilometer Abstand zu den Küsten abspielt, stellt sie ein Gesundheitsproblem für die dortige Bevölkerung dar“, betont David Lack vom US-Wetterdienst NOAA, der Hauptautor der in den „Geophysical Research Letters“ veröffentlichten Studie.

Es hat einige Zeit gebraucht, bis der Schiffsverkehr in den wissenschaftlichen Fokus geriet, denn die Datenerhebung ist schwierig. Als eine der ersten Arbeitsgruppen sammelten Forscher vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg indirekte Hinweise, indem sie Satellitendaten über die Wolkenbedeckung auswerteten. NOAA schickte 2006 sein Forschungsschiff „Ronald H. Brown“ in die Abgasfahnen der Schiffe im Golf von Mexiko, um dort direkte Daten zu erheben. Eines der größten Probleme der Schiffsabgase ist der Schwefel im Treibstoff. Er wird als Schwefeldioxid aus dem Schlot geblasen und reagiert in der Luft zu Sulfat. Diese Sulfate machen rund die Hälfte der Partikelemissionen aus, die andere Hälfte besteht aus organischen Teilchen und Ruß.

Bei beiden kann der Einsatz von schwefelärmerem Treibstoff Besserung bringen. Die internationale Schifffahrtsorganisation IMO hat 2005 eine Verringerung des Schwefelanteils am Treibstoff auf 4,5 Prozent und spezielle Schutzzonen eingeführt, in denen die Schwefelemissionen stärker kontrolliert werden. Allerdings bleiben die Rußteilchen von schwefelärmerem Treibstoff offenbar länger in der Atmosphäre.

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