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Unruhiger Schlaf

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 22.06.2009 14:29

Gut über die Welt verteilt gibt es eine Reihe von so genannten Supervulkanen. Sie heißen so, weil ihre Eruption alles in den Schatten stellte, was wir bisher gesehen haben, vom Pinatubo bis zum Mount St. Helens. Zu ihnen gehören etwa die Phlegräischen Felder bei Neapel, der Vulkan von Santorin oder der Yellowstone. Zum Glück schlafen sie derzeit allesamt, aber manchmal regen sie sich doch etwas mehr – wie zur Zeit der Yellowstone-Supervulkan. Forscher der Universität von Utah berichten darüber in „Science“.

Im mittleren Westen der USA schläft ein wahres Ungeheuer. Der Yellowstone-Nationalpark mit seinen weltbekannten Geysiren befindet sich über der Caldera eines Supervulkans. „Die Caldera ist 60 Kilometer lang und 40 Kilometer breit und damit um viele Male größer als die meisten Calderen der Welt”, erklärt Robert B. Smith, Geophysikprofessor an der Universität von Utah. Und dieser Supervulkan ist noch nicht erloschen. Gerade rührt er sich wieder. Smith und seine Kollegen berichten in der aktuellen „Science“, ein Teil des Riesenkraters habe sich in den Jahren 2004 bis 2006 um rund sieben Zentimeter pro Jahr gehoben. „Das ist für geologische Maßstäbe eine relativ hohe Rate“, so Smith.

Grand Prismatic Spring, klein









Grand Prismatic Spring ist eine der gewaltigen hydrothermalen Quellen im Yellowstone Nationalpark. Foto: Henry Holdsworth, Robert B. Smith

Eine Eruption sei dennoch sehr, sehr unwahrscheinlich, beruhigt der altgediente Geowissenschaftler. „Calderen haben weltweit die Tendenz, sich aufzublähen und dann wieder abzusinken”, so Smith, “ich nenne sie deshalb lebendige, atmende Calderen.” Sollte der zurzeit nur atmende Yellowstone-Supervulkan eines Tages jedoch husten oder gar richtig speien, wäre das verheerend. Bei seiner letzten großen Eruption vor 640.000 Jahren blies der Yellowstone-Vulkan 250 Kubikkilometer Asche und Lava in die Luft und bedeckte den gesamten Westen Nordamerikas mit einer meterdicken Ascheschicht. Dieser Ausbruch war tausendmal stärker als der des Mount St. Helens 1980.

Solche Supereruptionen sind allerdings selbst für einen Riesenvulkan wie Yellowstone nur schwer zu stemmen. In den vergangenen 2,5 Millionen Jahren gab es ganze drei dieser Ausbrüche, was allerdings nicht bedeuten soll, dass es zwischen ihnen vollkommen ruhig blieb. „Seit der letzten Supereruption haben wir 30 kleinere Ausbrüche gehabt“, so Smith. Der letzte ereignete sich vor 70.000 Jahren. „Wir nennen sie kleinere Ausbrüche, aber sie sind eigentlich nur verglichen mit den Supereruptionen klein”, so Smith. Denn auch diese kleinen Ausbrüche würden die Umgebung in einem Radius von vielen Kilometern verwüsten.

Kein Wunder also, dass Geophysiker das Gebiet mit Argusaugen beobachten. Seit 1923 werden die jährlichen Veränderungen erhoben, zunächst mit geodätischen Messmethoden, seit Mitte der 80er mit Hilfe des Globalen Positionierungssystems GPS. Seit Mitte der 90er Jahre wird die Caldera permanent von einem Netz von 12 GPS-Stationen überwacht. „Die messen täglich die Bewegungen“, so Smith, hinzu kommen die Überflüge des Esa-Satelliten „Envisat“, der mit Radar Veränderungen von Jahr zu Jahr protokolliert.

Hebungen, klein









Die Bewegungen der Yellowstone-Caldera. Abbildung: Robert B. Smith

Dank dieser genauen Beobachtung weiß Robert Smith, dass „seine“ Caldera atmet. So hob sich der Krater zwischen 1923 und 1985 um insgesamt einen Meter, am stärksten zwischen 1976 und 1985 mit durchschnittlich zwei Zentimeter im Jahr. Von 1985 bis 1995 ging es dann wieder um 20 Zentimeter abwärts. In den zehn Jahren danach bewegte sich der Krater uneinheitlich, an manchen Stellen senkte er sich an anderen hob er sich, und seit 2004 geht es insgesamt wieder in die Höhe. Verantwortlich für die Bewegungen sind Vorgänge in der Magmenkammer des Supervulkans, die in acht bis 16 Kilometern Tiefe liegt. Sie wird offenbar von einem „hotspot“ gespeist, einer gigantischen Blase von extrem heißem geschmolzenem Gestein, die aus den Tiefen des Erdmantels zur Oberfläche aufsteigt.

Und dieser „hotspot“ liefert gerade wieder Nachschub für die Magmakammer des Yellowstone-Vulkans. Modellierungen, die Smith und seine Kollegen mit den GPS-Daten durchführten, zeigen, dass zwischen 2004 und 2006 eine dünne Platte geschmolzenen Gesteins in die Kammer eingedrungen ist, die nur ein paar Dutzend bis wenige hundert Meter dick, dafür aber von der Fläche her dreimal so groß wie Bremen ist. Der Auftrieb, den die Platte der Caldera verliehen hat, ist schon wieder etwas abgeflaut, und Smith vermutet, dass die Hebung bald ganz zum Erliegen kommt. Noch sieht der Yellowstone-Veteran keinen Grund zur Sorge.

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