Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Wissen Warum Hund und Katze von den Bäumen stammen

Warum Hund und Katze von den Bäumen stammen

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 30.01.2014 12:47

Ob Katze, Hund oder Killerwal: Sie alle stammen anscheinend von ein- und demselben Urahn ab, und der lebte vor 55 Millionen Jahren auf den Bäumen. Das jedenfalls legen Säugetierfossilien aus Belgien nahe - genauer: aus der Nähe von Dormaal, einem kleinen Ort östlich von Brüssel. Dormaal ist so etwas wie die belgische Grube Messel: eine der wenigen Stellen auf der Welt, wo Fossilien dieses Alters in großer Zahl vorkommen. Das kleine Tier erlaubt neue Einblicke in die Frühzeit der Evolution räuberischer Säuger.

Künstlerische Darstellung von Dormaalocyon latouri in seiner Umgebung. (Bild: Charlène Letenneur (MNHN), Pascale Golinvaux (RBINS))Auch wenn es Katzenfreunde und Hundefans erstaunt: Ihre sprichwörtlich verfeindeten Lieblinge haben einen gemeinsamen Vorfahren! Und den teilen sie sich mit allen anderen räuberischen Säugetieren - vom Seehund bis zum Löwen. Der Urahn heißt Dormaalocyon latouri und sah aus wie eine Kreuzung aus Eichhörnchen und Mini-Puma. Er lebte vor 55 Millionen Jahren in den Wäldern des frühen Eozäns: "Dormaalocyon war sehr klein und schlank, wog vielleicht ein Kilogramm", beschreibt Floréal Solé vom Königlich Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel, "vor allem aber trug die Art primitive Züge. Aufgrund der fossilen Kieferknochen und Zähne sowie der Knöchelgelenke, die wir analysiert haben, kennen wir ihn jetzt sehr gut." Sogar seine Milchzähne konnten die Paläontologen untersuchen.

Dormaalocyons Gelenke beweisen, dass er wie eine Katze durch das Geäst der Bäume huschte. Das war in der Gegend des heutigen Dormaals eine ideale Lebensweise. Schließlich wuchs dort ein tropischer Regenwald. Und die Zähne, sie sind noch nicht auf Schneiden oder Zermalmen der Nahrung spezialisiert. Im Grunde gleicht das Gebiss dem der Hunde. Und damit machte Dormaalocyon Jagd auf noch kleinere Säugetiere und vor allem auf Insekten

Zusammenstellung der Überreste, die man von Dormaalocyon gefunden hat. (Bild: Charlène Letenneur (MNHN), Pascale Golinvaux (RBINS))Dormaalocyon ist der primitivste bekannte Vertreter der räuberischen Säugetiere. Er liefert wichtige Hinweise auf den Ursprung dieser Gruppe, die heute mehr als 280 Vertreter auf der Erde stellt: "Räuberische Säugetiere tauchen ganz plötzlich in der fossilen Überlieferung auf, und wir kennen ihren Ursprung nicht genau", so Floréal Solé. Vor 55 Millionen Jahren lag die globale Durchschnittstemperatur viel höher als heute, und über Landverbindungen konnten sich Arten zwischen Europa, Nordamerika und Asien verbreiten. Die frühen räuberischen Säuger entwickelten sich damals schnell und legten an Größe zu. Die frühe Entwicklung ist unübersichtlich, und so kommen vier Gruppen als Urahnen in Frage, von denen drei inzwischen ausgestorben sind. Während sich viele der fleischfressenden Säuger vor Dormaalocyon eher von Aas ernährt haben dürften, war er ein Jäger. Allerdings ein Jäger, der keine prominente Rolle im Ökosystem spielte. Die hatten die Krokodile inne und die großen, räuberischen Vögel: "Dormaalocyon war lediglich ein kleines, fleischfressendes Säugetier. Niemand hätte vermutet, wie erfolgreich seine Nachfahren einmal werden sollten. Dass aus ihrer Linie heraus die Löwen ebenso hervorgehen sollten wie die Bären, war wirklich nicht vorhersehbar."

Verweise
Bild(er)