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Weiße Dächer gegen städtische Wärmeinseln

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 27.08.2010 14:59

Die Städte werden zu den Brennpunkten des Klimawandels gehören, insbesondere die dicht bebauten Zentren, die kaum noch Grünflächen haben. Daher konzentrieren sich viele Anstrengungen darauf, die Bedingungen in den Ballungsräumen der Zukunft so zu gestalten, dass sie auch in Zeiten steigender Temperaturen bewohnbar bleiben. Ein schnell umzusetzendes und im Rahmen von Neubau oder Renovierung kostengünstig durchzuführendes Mittel, das Klima in den Städten zu verbessern, ist helle Materialien bei Dächern und auf Straßen und Wegen zu verwenden. In den USA treibt Nobelpreisträger und Energieminister Stephen Chu die Umsetzung voran. In Deutschland sind entsprechende Materialien in der Erprobung.

White roofSchon jetzt sind die Durchschnittstemperaturen in den Innenstädten um zwei oder mehr Grad höher als in den Vororten oder gar auf dem Land, weil sich Beton und Asphalt sehr viel besser aufheizen als Vegetation oder Erdboden. Schlimmer noch: Sie geben die gespeicherte Energie nachts ab und verhindern somit, dass sich die Städte abkühlen können. Dieser als Urbane Hitzeinsel bekannte Effekt wird auch bei steigenden Gesamttemperaturen wirken und das Stadtklima zusätzlich belasten.


Herunterdrehen läßt sich die städtische Sonderheizung durch viele verschiedene Maßnahmen, die sich in den bestehenden Zentren allerdings nur in Maßen werden umsetzen lassen. Eine der wichtigsten wäre zum Beispiel, mehr Grün in die Städte zu bringen, doch gerade in den hochverdichteten Zentren ist für zusätzliche Parks kein Platz, ganz abgesehen davon, dass der Grund für die Grünflächen gerade in den Cities am teuersten ist. Vergleichsweise einfach läßt sich dagegen der Abstrahleffekt von Dächern und Straßen erhöhen. Dächer machen rund 40 Prozent der Fläche in Innenstädten aus, Straßen und Wege noch einmal 15 Prozent. Eine Modellrechnung am National Center for Atmospheric Research der USA (NCAR) hatte Anfang des Jahres ergeben, dass die flächendeckende Einführung von hellen statt asphaltgrauen oder roten Dächern die Reflektion um rund ein Viertel steigere, wenn noch die Straßen und Wege dazukämen, dann könne eine durchschnittliche Großstadt ihre Albedo, also die Sonnenlicht-Reflektion, um rund zehn Prozent steigern und den Urbane-Hitzeinsel-Effekt um ein Drittel senken. 


Green RoofUS-Energieminister Stephen Chu hat jetzt die Initiative ergriffen und für seinen Bereich angeordnet, dass bei künftigen Bau- und Renovierungsmaßnahmen diese so genannten Cool Roofs installiert werden sollen. "Diese Dächer gehören zu den schnellsten und kostengünstigsten Maßnahmen, um den Treibhausgasausstoß zu senken", so Chu. Mit Rückendeckung des Präsidenten will der Energieminister auch die anderen Ressorts gewinnen. Ob solche Dächer über die Verbesserung des lokalen Stadtklimas hinaus einen nennenswerten Beitrag zur Verminderung der globalen Temperatursteigerung leisten, wird allerdings von Expertenseite bezweifelt. "Global hat das ganze keinen nennenswerten Effekt", meinte etwa Mojib Latif, Klimaforscher am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften gegenüber dem "Spiegel". Auch die NCAR-Autoren können in ihren Modellrechnungen keine Wirkung auf das globale Klima erkennen. Ohnehin plädieren viele Experten dafür, Flachdächer in Großstädten nach Möglichkeit zu begrünen. Der Effekt sei wesentlich größer.

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