Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Wissen Wettlauf um die Abbaurechte

Wettlauf um die Abbaurechte

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 04.12.2013 17:07

Die Menschheit hat einen steigenden Bedarf an Metallen. Die boomenden Hightech-Industrien benötigen Edel- oder Seltenerdmetalle in vergleichsweise großen Mengen. Die steil ansteigende Nachfrage beflügelt schon seit einiger Zeit Pläne, den Meeresgrund auch als Quelle für mineralische Rohstoffe zu erschließen. Zahlreiche Staaten interessieren sich für die Bodenschätze der Tiefsee - die meisten aus Furcht um die künftige Versorgungssicherheit.

 Manganknollen können die Größe von Kartoffeln erreichen. (Bild: BGR)Hatten sich die Industriestaaten in der Vergangenheit darauf verlassen können, ihren Rohstoffbedarf auf dem freien Markt zu guten Preisen decken zu können, bläst ihnen inzwischen der Wind ins Gesicht. "Während China 40 bis 50 Prozent der Rohstoffnachfrage abgrast, haben Deutschland und die USA einen Anteil von maximal fünf bis zehn Prozent in der globalen Rohstoffnachfrage", sagt Peter Buchholz, Leiter der DERA, der Deutschen Rohstoffagentur mit Sitz in Berlin. Mit den großen Schwellenländern sind aber nicht nur schlagkräftige Wettbewerber auf den Markt getreten, viele von ihnen sitzen auch auf der Anbieterseite. China etwa dominiert inzwischen den Weltmarkt für Seltene Erden und hat dem Westen bereits die Folterinstrumente gezeigt und laut über drastische Ausfuhrbeschränkungen nachgedacht.

Und so wurde die Tiefsee interessant für Rohstoffsucher. Die reichsten Vorkommen an Hightechmetallen versprechen wohl die Mangankrusten, die auf Tiefseebergen wachsen. Allerdings hat ihre Erkundung gerade erst begonnen und eine umsetzbare Idee, wie sie gefördert werden könnten, existiert noch nicht. Teilweise enorme Edelmetallgehalte hat man in den Massiv-Sulfid-Lagerstätten der berühmten Black-Smoker gefunden, die bekannt geworden sind durch ihre einzigartige Lebenswelt. Als dritte Rohstoffquelle gelten die schwärzlich-braunen Manganknollen, die auf dem Tiefseeschlick des Pazifiks liegen.

Sind auch als Erzvorkommen begehrt: Schwarze Raucher am Meeresgrund. (Bild: NOAA, Richard Lutz Rutgers)Die meisten der vermuteten Rohstoffvorkommen liegen in Gebieten der Hohen See, die seit gut 30 Jahren von der Internationalen Meeresbodenbehörde verwaltet werden. "Die Zahl der Claims hat sich in den vergangenen beiden Jahren stark erhöht", berichtet Michael Lodge vom Führungsstab der Behörde in Kingston, Jamaika, "2012 hatten wir allein fünf Bewerber auf neue Lizenzen. Außerdem haben sich in diesem Jahr Japan und China um eine Lizenz für Mangankrusten beworben - es waren die ersten für diese Vorkommen. Inzwischen ist Russland dazu gekommen und das Vereinte Königreich bewirbt sich um eine zweite Manganknollenlizenz."

Derzeit werden erst die Spielregeln festgelegt, nach denen der Meeresbergbau ablaufen soll. "Das Reglement müsste in drei Jahren fertig sein", sagt Michael Lodge. Noch sei alles offen, aber es zeichnen sich bereits Debatten ab. Etwa wer die Kosten für die Überwachung der Tätigkeiten zahlt, für das Management der Verträge oder wer prüft, ob die Umweltverträglichkeit gewährleistet wird. Eines ist dabei klar: Einen Abbau ohne Umweltschäden gibt es nicht. Das steht explizit in einer unlängst veröffentlichten Studie der UN-Organisation. "Manganknollen liegen auf dem Tiefseeschlamm, man sammelt sie sozusagen ein", sagt ISA-Manager Lodge, "dabei kann allerdings der empfindliche Schlamm sehr leicht aufgewirbelt  werden." Hinzu kommt, dass die Sammelmaschinen große Gebiete abfahren werden, Schlammwolken könnte sich weit ausbreiten und Meerestiere ersticken.

 Manganknollen auf dem Meeresboden verteilt. (Bild: BGR)Deshalb unternahmen deutsche Forscher vor mehr als 20 Jahren im Perubecken vor der Küste Südamerikas einen Versuch zu den Langzeitfolgen. Pedro Martínez-Arbizu, Leiter des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung in Wilhelmshaven: "Wir haben eine Testfläche umgepflügt und dann wurde die Artenvielfalt und die Anzahl der Organismen nach einem halben Jahr, nach drei Jahren, nach vier Jahren und nach sieben Jahren untersucht." Das Ergebnis: Schon nach drei Jahren bevölkerten ähnlich viele Tiere wie vor dem Versuch das Areal, doch die Artenvielfalt hatte sich selbst nach sieben Jahren noch nicht erholt. Vor allem diejenigen Lebewesen, die einen harten Untergrund brauchen, waren betroffen. Seelilien oder die Larven von vielen anderen Arten siedeln sich darauf an und Tiefseeshrimps nutzen ihn als Ansitz.

Das einzige harte Substrat in den endlosen Schlickebenen der Tiefsee sind aber in der Regel die Manganknollen. Fehlen sie, haben all diese Tiere für sehr lange Zeit keine Lebensmöglichkeit mehr. Manganknollen wachsen in einer Million Jahren nur ein paar Millimeter. Und selbst für Arten, die nicht auf harten Untergrund angewiesen sind, wird es lange Zeit unwirtlich. Französische Meeresforscher entdeckten Anfang des Jahrzehnts per Zufall die Spuren eines Abbauversuchs aus den 70er-Jahren. Die Narben im Tiefseeschlamm wirkten so frisch, als seien sie gestern erst entstanden. Die Warnungen der Meeresforscher hatten Erfolg: Seither müssen Lizenznehmer Schutzzonen in ihrem Claim ausweisen, die sie nicht anrühren dürfen.