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Wirklich steinalte Kunst

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 13.04.2016 10:33

Die südfranzösische Chauvet-Höhle im Tal der Ardèche ist die älteste Bildergalerie der Welt. Altsteinzeitliche Künstler haben hier 447 Tierzeichnungen auf den Wänden der Kalksteinhöhle angebracht – und mit ihnen mehr als 16 pleistozäne Tierarten buchstäblich verewigt. Ein aufwendiges Datierungsprojekt hat die Zeichnungen und weitere Spuren menschlicher Nutzung jetzt auf ein Alter zwischen 37.000 und 28.000 Jahre datiert und ältere, aber umstrittene Angaben bestätigt. In den Abhandlungen der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichten die französischen Wissenschaftler über ihre Ergebnisse.

Nashorn in der Chauvet-Höhle. (Bild: J. Geneste/Ministère de la Culture)In zwei Phasen von jeweils rund 3000 Jahren haben altsteinzeitliche Menschen die Chauvet-Höhle im südfranzösischen Departement Ardèche benutzt. Die Höhle liegt in einer Schlucht, die der Fluss Ardèche in das Kalksteinplateau gegraben hat, und ist für ihre rund 1000 Felszeichnungen aus der Altsteinzeit berühmt. Die bislang umfangreichste Datierungsaktion von Felszeichnungen und Brandspuren an den Höhlenwänden sowie von Holzkohleproben und Tierknochen vom Boden hat zwei Benutzungsperioden ergeben. Die ältere reichte von vor 37.000 bis vor 33.500 Jahren, die jüngere von vor 31.000 bis vor 28.000 Jahren. Ein Felssturz am Höhleneingang ereignete sich am Ende dieser zweiten Phase und scheint die menschliche Benutzung beendet zu haben. Endgültig unpassierbar wurde der Höhleneingang vor 21.400 Jahren durch einen weiteren Felssturz. „Seit damals hat kein Mensch oder Tier, das größer als ein Marder ist, die Höhle betreten“, schreiben die Autoren um Anita Quiles vom Französischen Institut für Orientalische Archäologie in Kairo in den Abhandlungen der US-Akademie der Wissenschaften.

Löwendarstellung aus der Chauvet-Höhle, Nachbildung im Museum Anthropos, Brno. (Bild: HTO/Wikipedia)Seit ihrer Entdeckung 1994 haben die Höhlenmalereien in der Chauvet-Höhle für Furore gesorgt. Vor allem die Tierzeichnungen, von denen man inzwischen 447 gefunden hat und die 16 verschiedene Tierarten darstellen, sind dafür verantwortlich. Schließlich gehören sie zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit. Die mit viel Aufwand gezeichneten Abbildungen von Raubkatzen, Nashörnern, Mammuts und vielen kleineren Säugetieren haben die Höhle zu einem Touristenmagneten gemacht – und am 22. Juni 2014 zu einem Unesco-Weltkulturerbe. Zu sehen bekommt sie freilich nur noch ein extrem ausgesuchter Kreis von Wissenschaftlern, damit die Atemluft der Besucher nicht das Höhlenklima verändert und die Malereien beschädigt. Alle anderen müssen sich mit einer Nachbildung im nahegelegenen Vallon-Pont d‘Arc begnügen.

Mehr als 33.000 Jahre alte Darstellung einer Hyäne aus der Chauvet-Höhle, Frankreich. (Bild: Carla Hufstedler/Wikipedia)Auch die Forscher um Anita Quiles durften sich nur auf den Metallstegen bewegen, die durch die Höhle gelegt wurden. Sie haben selbst 80 Proben genommen und mit früheren Datierungen insgesamt mehr als 350 Datenpunkte für die Rekonstruktion der Höhlenhistorie benutzt. 23 Wandzeichnungen und 15 Brandmarkierungen an den Wänden wurden bestimmt: Von den Wandmalereien gehörten nur zwei Proben in die jüngere Periode: Sie stammen von einem großen Löwen in der sogenannten Galérie du Belvédère in der hintersten Höhlenkammer und wurden auf ein Alter von um die 30.000 Jahre datiert. In die ältere Periode fallen auch regelmäßige Besuche von Höhlenbären, von denen insgesamt 200 Skelette gefunden wurden. Obwohl also die Menschen zeitgleich mit diesen damals größten Raubtieren die Höhle benutzten, scheint es unwahrscheinlich, dass sich beide zur selben Zeit darin aufhielten.

Rötel-Zeichnung eines Höhlenbären an der Wand der Chauvet-Höhle. (Bild: J. Geneste/Ministère de la Culture et de la Communication)Die Forscher haben die Radiokarbondatierungen des Labors für Klima- und Umweltwissenschaften in Gif-sur-Yvette durch zwei umfangreiche internationale Kalibrationsexperimente überprüfen lassen. Damit begegneten sie Zweifeln an den bisherigen Altersangaben. Eine Reihe von C14-Datierungen hatte Anfang des 21. Jahrhunderts den Chauvet-Malereien ein Alter von 32.000 bis 30.000 Jahre zugeschrieben – bis dahin waren sie aufgrund von Stilvergleichen auf nur 22.000 bis 18.000 Jahre geschätzt worden. Die starke Diskrepanz hatte Kritiker auf den Plan gerufen, die Fehler bei der physikalischen Altersmessung vermuteten. Diese Einwände dürften mit den rigorosen Validierungsprogrammen ausgeräumt sein.

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