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"Zeitlicher Zusammenhang nur zufällig"

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 29.03.2011 16:38

Nach jedem schweren Beben kommt die Frage auf, ob es vielleicht mit anderen, vorhergehenden Erschütterungen zusammenhängt. Die Frage liegt nahe, immerhin hat es in den vergangenen 30 Jahren 205 Erdbeben mit Magnituden von mehr als 7.0 gegeben. Doch US-Geophysiker haben keinen statistischen Zusammenhang finden können. Warum schwere Erdbeben auch in enger zeitlicher Folge nur zufällig zusammenfallen, erläutern sie in der aktuellen "Nature Geoscience".

Ex-Hotel d'Haiti, Port-au-PrinceHaiti, Chile, Neuseeland und zuletzt Japan - in nicht einmal 15 Monaten hat die Erde eine Reihe sehr schwerer Erdbeben erlebt, die gigantische Schäden und oft auch zahlreiche Opfer forderten. Kann es vielleicht einen Zusammenhang zwischen diesen über die gesamte Oberfläche verstreuten Beben geben? Das fragte sich nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Fachwelt. Eine groß angelegte Studie des Geologischen Dienstes der USA hat die Erdbebenarchive der vergangenen 30 Jahre nach einem Zusammenhang zwischen großen Beben durchsucht und ihn nicht gefunden.

Verwüstung in OfunatoIn der aktuellen "Nature Geoscience" berichten die Forscher um Tom Parsons aus der USGS-Zentrale im kalifornischen Menlo Park allerdings davon, dass große Beben über riesige Distanzen hinweg kleinere Beben in Gang setzen können. "Ein großes Beben läßt die Erde wie eine Glocke schwingen und kann so kleinere Beben auslösen", erklärt Parsons, "aber große Beben ereignen sich nur aus schierem Zufall in zeitlicher Nähe zueinander." Immerhin gab es in den vergangenen 30 Jahren 205 Beben der Magnitude 7.0 und stärker, also fast sieben pro Jahr, "und bei jeder Folge starken Beben kommt die Frage nach dem Zusammenhang", erklärt Parsons Kollege beim USGS Ross Stein. 

Unterschiede in der StandfestigkeitDen aber gibt es nur im lokalen Bereich. "Wir sehen in einer Distanz von bis zu 1000 Kilometern starke Erdbeben, die von den Hauptbeben ausgelöst werden", erklärt Tom Parsons, "aber nicht in größerer Entfernung." Dafür streut die Wirkung unter den kleinen Beben umso weiter. Nach großen Ereignissen steigt die Rate von kleineren Erschütterungen rund um den halben Erdball an. "Der Sumatra-Schock löste Nachbeben in Asien, Europa und Amerika bis nach Ecuador hin aus", erklärt Parsons. Diese Zusammenhänge herauszufinden, war vor allem eine Fleißarbeit für die USGS-Computer, denn jedes Jahr ereignen sich Tausende und Abertausende kleinerer Beben, "aber", so Parsons, "wenn wir alles zusammenführen, erhalten wir einen auffälligen Anstieg, der einhergeht mit der Ankunft sogenannter Oberflächenwellen."

Diese Wellen pflanzen sich nach einem Ereignis in der Kruste fort und können um die halbe Welt wandern, bevor sie ihre Energie verloren haben. "Sie laufen mit einer Geschwindigkeit von vier Kilometern pro Sekunde an der Oberfläche entlang", erklärt Parsons, "wo diese Wellen gerade durchkommen, da scheinen sie kleine Beben auszulösen." Der genaue Zusammenhang ist den Geophysikern noch unklar, sie haben zunächst einmal die Beobachtungen gesammelt und das Muster identifiziert. "Jetzt werden wir hingehen und einzelne Ereignisse modellieren, um zu sehen, ob sie sich in besonderer Weise verhalten", so Parsons. Das ist allerdings alles andere als einfach, denn das Geschehen verbirgt sich viele Kilometer tief im Erdinneren und dahin zu gelangen ist ausgesprochen schwierig.

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