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Zwillinge wie Tag und Nacht

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 22.06.2009 14:03

Die Venus gilt seit dem Besuch US-amerikanischer und sowjetischer Sonden in den 60er Jahren als unwirtliche Schwester der Erde. Heiß, trocken und von einer ungeheuer dichten Atmosphäre umhüllt, der Kontrast zur Erde könnte nicht stärker sein. So groß allerdings die Unterschiede sind, so eng ist offenbar das Verwandtschaftsverhältnis: die beiden Planeten sind nicht nur Geschwister sondern geradezu Zwillinge. Das legen zumindest die ersten Erkenntnisse der europäischen Raumsonde Venus Express nahe, die den Planeten jetzt seit Juni 2006 eingehend untersucht.

Oberflächentemperaturen von bis zu 457 Grad, ein neunzigfach stärkerer Druck als auf hiesigem Meeresniveau und dazu eine Atmosphäre, die zu 96,5 Prozent aus Kohlendioxid besteht und von einem Schild von Schwefelsäurewolken abgeschirmt wird. Das sind die Zutaten für eine veritable Hölle und so sieht es auf der Venus, die als Abend- und Morgenstern so verheißungsvoll an unserem Himmel funkelt, tatsächlich aus. Unähnlicher den eigentlich geradezu paradiesischen Bedingungen auf unserem Planeten können Verhältnisse auf einem Steinplaneten kaum sein.


Dabei sind beide Planeten ungefähr gleich groß und kreisen in der so genannten habitablen Zone um unsere Sonne, der Region des Sonnensystems also, in dem Leben möglich ist. Und offenbar haben Erde und Venus auch eine zumindest in den ersten paar hundert Millionen Jahren gleiche Entwicklung durchlaufen. Danach allerdings trennten sich ihre Wege, die beiden Planeten schlugen diametral entgegengesetzte Entwicklungspfade ein.

 Venus, Blick auf die Atmosphäre

Kohlendioxid ist der beherrschende Bestandteil der Venusatmosphäre. Foto: Esa

In einer Artikelserie in der aktuellen „Nature“ geben Wissenschaftler mit den ersten umfassenden Datensätzen der Esa-Raumsonde Venus Express Hinweise auf die Weichenstellung, die die Venus zur Hölle und die Erde zum Paradies machte. Offenbar ist es doch die vergleichsweise geringe Differenz in der Entfernung zur Sonne, die den ganzen Unterschied macht. Ursprünglich dürften beide Planeten in etwa dieselben Vorräte an Kohlendioxid und an Wasser gehabt haben. Doch das Plus an Sonnenenergie, das die Venus abbekam, ließ vermutlich ihre Ozeane schnell verdampfen. Auf der Erde dagegen konnte sich das Wasser in flüssigem Zustand halten und damit den Verwitterungskreislauf aufrecht erhalten, der große Mengen Kohlendioxid aus unserer Atmosphäre wusch.

„Venus Express“ soll noch einige Jahre um unseren Planetenzwilling kreisen und im kommenden Jahr näher an die Venus heranrücken, um die Oberfläche des Planeten besser zu untersuchen. Im Jahr 2010 soll sich die japanische „Planet-C“ dazu gesellen, und auch die beiden Pioniernationen USA und Russland wollen zur Venus zurückkehren. 2016 soll die russische Venera-D starten und die Amerikaner stehen kurz vor der Bauentscheidung für ihre Vesper-Sonde.

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